Ob die Idee den Dichter überwältigt oder der Dichter die Idee,
davon hängt alles ab.

Friedrich Hebbel

Der NaNoWriMo 2009 lief sehr gut. Ich fing am 01. November mit 4456 Worten an und startete durch - am 19. November knackte ich die 50000. Das macht im Schnitt 2613 Worte am Tag! Bis zum Ende des Monats hatte ich dann 72492 Worte voll.

Zu diesem Abschnitt:
Robert ist zu Besuch bei Johanna, sie haben zusammen gekocht. Johannas Freundin, Regina, kommt zum Essen. Regina ist dagegen, daß Robert Johanna auch privat sieht. Sie ist überzeugt, er will nur ihre hilflose Lage ausnutzen.
Und bitte nachsichtig sein - das ist ein NaNoWriMo-Text, also rausgehauen und kaum bearbeitet.

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19. April 2009

21. Mai 2009

29. April 2009, Mittwoch, Johannas Wohnung

Es klingelte, und Johanna verzog das Gesicht. Sie sah Robert noch einmal an, dann ging sie hinaus in den Flur. Er sah ihr nach und seufzte. Johanna saß hier zwischen den Stühlen. Zwischen ihrer langjährigen Freundin und ihm ... dem neuen Freund. Er verzog kurz das Gesicht. Nein, ein neuer Freund, nicht der neue Freund. So weit war sie noch nicht, daß sie es so sehen konnte, wie sehr er sich das auch wünschte. Er wollte ihr keine Schwierigkeiten machen, aber er würde jetzt auch nicht anfangen, wegen Regina eine Show abzuziehen oder sich irgendwie zurückzuhalten. Und erst recht nicht, wo sie gerade darüber gesprochen hatten, daß das mit dem Verstellen immer nach hinten losging.
Johanna sagte kurz etwas in die Sprechanlage, dann drückte sie den Summer. Robert wandte sich ab, verteilte die drei Teller auf dem Tisch, dann das Besteck. Ob Johanna Biergläser hatte? Wie gut, daß er vier Flaschen mitgebracht hatte, falls Regina auch eine wollte.
Sein Magen knurrte wieder, und er zwang sich, es gut zu finden, daß Regina jetzt kam. Dann gab es wenigstens was zu essen. Alles andere würde sich finden.
Johanna öffnete sie Tür, Robert hörte harte Absätze auf die Steintreppe aufschlagen. „Hanna!“, rief Regina jetzt, und Robert mußte lächeln. Also hatte Johanna auch ihrer Freundin nicht erzählt, daß sie beim Friseur gewesen war.
Robert nahm seinen Rucksack und ging in die Küche. Er wollte nicht spionieren, was Regina und Johanna sagten. Er packte die Flaschen mit dem alkoholfreien Hefeweizen aus und stellte sie auf den Tresen. Der Nudelauflauf duftete verführerisch. Jetzt tat sein Magen wieder weh vor Hunger. Robert hockte sich vor den Ofen und schaute hinein. Der Auflauf sah auch hervorragend aus.
Er hörte die beiden Frauen im Flur sprechen, dann kamen sie ins Wohnzimmer. Regina mußte sie Schuhe ausgezogen haben, sie klapperte nicht mehr. „Ist er da?“, fragte sie. Sie gab sich keine Mühe leise zu sprechen oder ihren Widerwillen aus der Stimme herauszuhalten.
„Natürlich“, sagte Johanna, und Robert mußte grinsen, weil es genau sein Tonfall war, in dem er das immer sagte.
Robert kam aus der Küche, Regina mußte ihn sehen, und sei es nur aus dem Augenwinkel. Doch sie wandte sich ab, nahm Johanna bei den Schultern und betrachtete ihre neue Frisur. Regina trug ein graues Kostüm, ein weißes Shirt. Das ganze Outfit erinnerte ihn sehr an Sophia, auch wenn Regina nicht so aufdringlich geschminkt war. Als die beiden Frauen nebeneinander standen, fiel ihm erst auf, daß Regina ein paar Zentimeter größer war als Johanna und schmaler gebaut. Reginas lange, rotbraune Haare fielen über ihren Rücken. Robert schnaufte ganz leise. Wenn er die beiden Frauen im Supermarkt getroffen hätte, Regina wäre diejenige gewesen, die ihm aufgefallen wäre, auf die sein Körper reagiert hätte. Doch wenn er jetzt Johanna ansah, konnte er sich nicht vorstellen, jemals eine andere Frau ... Er dachte den Gedanken nicht zu Ende.
Regina hob eine beringte Hand, fuhr damit durch Johannas Haare, zupfte daran. Dann strich sie über Johannas Schulter, ihren Nacken hinauf. Roberts Magen zog sich zusammen, weil er das nicht tun durfte.
„Hanna, das sieht total süß aus.“
Robert lächelte. Wie recht sie hatte. Er riß sich zusammen, stellte seinen Rucksack ab und ging um die beiden herum. „Hallo Frau Larch“, sagte er im Plauderton. Er verkniff es sich, ihr seine Hand hinzustrecken.
Reginas Blick blieb einen Augenblick auf Johanna hängen, dann sah sie ihn abschätzend an. Da war keine Freundlichkeit in ihrem Blick. „Doktor Hoffmann“, sagte sie kühl.
„In diesem Fall Hilfskoch Hoffmann“, sagte Johanna und lächelte ihn an.
Was kümmerte es ihn, daß Regina da war und ihn so eisig ansah, solange er Johanna weiter ansehen konnte. Solange sie ihn anlächelte. Robert grinste, zog einen imaginären Hut und verbeugte sich vor Regina. Sie schüttelte den Kopf und wandte sich ab.
„Was ist das denn?“, fragte Johanna und zeigte in die Küche auf die Flaschen.
„Als du geschrieben hast, du magst Hefeweizen, habe ich die einzige alkoholfreie Sorte gekauft, die mir schmeckt.“ Robert lächelte. „Vielleicht schmeckt sie dir auch.“
Johanna wiegte den Kopf. „Habe ich nie probiert.“
„Ich dachte, es paßt ganz gut zum Auflauf.“
„Echtes Hefe paßt zu allem“, sagte Johanna. Sie zeigte in die Küche. „Die Gläser sind da im Schrank. Oder willst du lieber aus der Flasche trinken?“
„Pilz schon, Hefe nicht.“
Regina schaute von einem zu anderen. Robert lächelte sie an. „Möchten Sie auch eines?“
Sie sah ihn abschätzend an, als wollte sie eine bissige Bemerkung machen. Dann schüttelte sie aber nur den Kopf. Er ging in die Küche, Reginas eisigen Blick im Rücken. Das konnte ja noch heiter werden. Robert öffnete den Schrank, holte zwei Gläser für Hefeweizen aus dem Schrank und ein normales Glas für Regina. Dann stellte er zwei Bierflaschen mit auf den Tisch.
Johanna kam zu ihm, lächelte. „Der Flaschenöffner ist hier irgendwo in der Schublade.“
„Ich nehme mein Taschenmesser, das geht schon.“ Er nahm eine Flasche, öffnete sie und begann, das Bier in das schräg gehaltene Glas zu füllen.
Johanna blieb am Tisch stehen und beobachtete ihn. „Du hast Übung damit.“
„Klar, ich trinke es doch selbst gern.“ Als die Flasche fast leer war, setzte er sie ab und rollte sie zwischen den Händen, um die Hefe vom Boden zu lösen. Dann goß mit Schwung er den Rest hinein.
Johanna holte einen Untersetzer und tat ihn mit auf den Tisch. „Setz dich doch schon mal, Rina“, sagte sie.
„Du auch, Jo, ich mache das schon.“ Er schob ihr das Glas hin und öffnete die nächste Flasche.
Regina schnaufte. „Keller Doktor Hoffmann.“
„Ich bin ein Multitalent“, sagte er nur und ignorierte ihren ätzenden Ton. Er machte auch das zweite Glas voll, rollte die Flasche und goß den Rest hinein. Er nahm die beiden leeren Flaschen wieder mit in die Küche.
„Die Topflappen sind in der Schublade unter dem Herd.“
Er holte die Dinger hervor, öffnete den Ofen und wedelte etwas, bis die erste Hitze sich verzogen hatte. Dann nahm er die Schale heraus. Es duftete köstlich, und sein Magen knurrte wieder. Vorsichtig trug er die Schüssel zum Tisch, stellte sie ab. Regina hatte ihr Sakko ausgezogen und saß jetzt auf dem Platz, wo er vorhin gesessen hatte, doch das störte ihn nicht.
„Wie kriegen wir das da raus?“
„Mit dem Pfannenwender, der liegt da doch noch.“
Robert holte ihn und lächelte Johanna an. „Ach, so heißt das Ding.“
Sie grinste. „Du den Pfannenwender, ich die Paron...“ Sie zuckte die Achseln.
Er lachte auf. „Paronychie.“ Er begann, den Auflauf zu zerteilen. Johanna hielt ihm ihren Teller hin, und er packte eine große Portion darauf. Doch sie stellte den Teller auf seinen Platz, kam mit dem nächsten leeren Teller und sagte: „Die Hälfte von dem, bitte.“
„Wie willst du zu Kräften kommen, wenn du so wenig ißt?“
Sie antwortete nicht, und er füllte noch Reginas Teller mit einer mittelgroßen Portion. „Danke“, quetschte sie hervor, doch er verzichtete drauf, das zu kommentieren. Ehe er sich hinsetzte, ging Robert zum Sofa, holte ein Kissen und schob Johanna den letzten freien Stuhl hin. Sie lächelte, hob das Bein an, und Robert rückte ihn zurecht. Er verkniff sich, wieder über ihren Fuß zu streichen und ärgerte sich hinterher darüber. Er wollte sich doch nicht von Reginas Gegenwart beeinflussen lassen.
Als er auch saß, sagte Johanna: „Guten Appetit.“
„Danke, euch ebenso“, sagte Robert, lächelte Johanna an, dann auch Regina.
„Ebenso“, sagte Regina, lächelte aber nicht wirklich.
Johanna hob ihr Glas, schnupperte daran. Dann zuckte sie die Achseln. „Riecht wie Hefeweizen.“
„Schmeckt auch fast so“, sagte Robert und stieß mit seinem Glasboden gegen ihren. „Prost“, sagte er und ergänzte in Gedanken ‚mein Mädchen’.
„Prost.“ Johanna lächelte wieder, dann nahm sie einen vorsichtigen Schluck. Sie legte den Kopf schräg, schnupperte noch einmal an dem Bier und nahm noch einen Schluck.
Robert trank selbst. „Und?“
„Nicht wie echtes. Aber ziemlich gut.“ Sie lächelte. „Danke, Robert, das war eine tolle Idee.“
Aus dem Augenwinkel sah er, wie Regina sich versteifte. Doch Robert grinste, nickte einmal und zerteilte dann seinen Auflauf mit der Gabel, damit er ein bißchen abkühlte. Doch sein Magen bestand drauf, jetzt endlich was zu kriegen, und er piekte eine Nudel auf, pustete, bis sie kalt genug war und stopfte sie in den Mund. Dann noch eine und noch eine. „Köstlich“, sagte er, obwohl er den Mund noch voll hatte.
Er sah auf, sah zu Johanna, die gerade eine Nudel in den Mund schob. Dann blickte er zu Regina, die noch nichts gegessen hatte. Robert mußte sich den Spruch verkneifen, daß das Essen nicht vergiftet war, obwohl er daran mitgekocht hatte. Doch dann nahm Regina ihre Gabel und begann zu essen.
„Wie war dein Tag, Rina?“, fragte Johanna jetzt. Robert sah auf. Ihre Stimme klang angespannt. Doch wie sollte sie das nicht. Er mußte ja nur Regina ansehen, um zu merken, wie unwohl sie sich fühlte. Aber er tat doch nichts anderes als sonst, oder? Oder lag es daran, daß Regina ihn zum ersten Mal als Robert erlebte? Als Robert, den Freund von Johanna.
Er senkte den Blick auf den Teller, weil er von dem Gedanken lächeln mußte. Regina erzählte jetzt von irgendeinem Bürokollegen, und Robert schaltete auf Durchzug und widmete sich dem Auflauf. Er schaute immer mal wieder auf, blickte Johanna an, während sie mit Regina sprach. Sie lächelte und kommentierte, sah aber nicht zu ihm hin, weil sie sich mit ihrer Freundin unterhielt. Robert war es recht. So konnte er sie ansehen, sich daran freuen, wie sie aussah und davon träumen, die feinen Haare in ihrem Nacken zu streicheln.
Aber es dauerte nicht lange, da hatte er seine Portion aufgegessen. Es war wirklich lecker, viel besser als alles, was er sonst aus der Kühltruhe kriegte. Und so lange hatte es eigentlich gar nicht gedauert. Er sah kurz auf, sah zu Johanna. Wenn es nach ihm ging, würde er jeden Tag mit ihr kochen.
Johannas Teller war noch immer voll, doch Regina war mit ihrer Portion auch schon fertig. Robert sah sie an. „Möchten Sie noch etwas?“
„Ja, bitte“, sagte Regina, und ihre Stimme klang zum ersten Mal einigermaßen normal. Zumindest so, wie Robert das von ihr kannte. Dann tat er sich selbst noch was auf. Doch ehe er weiteraß, sah er Johanna an und wartete, bis sie aufsah. Er deutete auf ihren Teller. „Du ißt ja immer noch an deiner Spatzenportion. Gibt es wieder einen Nachtisch, von dem du mir nichts erzählt hast?“
„Nein, dieses Mal nicht. Es gibt nur Kaffee und Kekse.“ Sie lächelte, dann schaute sie zu Regina. „Und Tee, wenn du willst.“
Robert sah Regina an. „Ißt Johanna immer so wenig?“
Sie zuckte nur die Achseln. „Vielleicht behagt ihr die Gesellschaft nicht“, sagte sie spitz.
So viel zum Thema, sie klang normal. Robert lächelte nur. „Johanna weiß, daß ich so einen Hunger habe und hält sich deshalb zurück, damit es reicht.“
„Sie leiden an Größenwahn, Doktor Hoffmann, wenn Sie glauben, es dreht sich hier alles nur um Sie.“
Er ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. „Größenwahn ist mein zweiter Vorname“, sagte er leichthin und schob sich etwas von dem Auflauf in den Mund.
„Und du heißt auch noch Robert H. Hoffmann“, sagte Johanna jetzt. Sie lächelte ihn an. „H. für Hybris oder wie?“
Robert lachte auf. „Himmel, erzähl das Matthias nicht. Der kriegt sich nicht wieder ein.“
Regina sah ihn an, schüttelte den Kopf. Robert lächelte, amüsierte sich im Stillen darüber, daß es Regina ärgerte, daß er sich nicht ärgerte. Aber wie konnte er das, wenn Johanna ihn so warm und offen anlächelte. Sie aßen weiter, und sein Teller leerte sich schnell. Und endlich hatte auch Johanna ihren Teller leergegessen. Robert nahm den Pfannenwender und hob exakt eine Nudel aus der Schale und balancierte sie in Richtung Johannas Teller. Dann sah er sie an. „Na, Spatz? Noch etwas?“
Sie blickte auf die Nudel, dann zu ihm. Ihre Augen leuchteten in diesem wundervollen, dunklen Blau. Strahlten ihn an, umrahmt von der neuen, neckischen Frisur. Dann lächelte sie und nickte. Er legte ihr die Nudel sehr sanft auf den Teller, genau in die Mitte.
Sie grinste jetzt. „Du kommst mit dem Pfannenwender ebensogut klar wie mit einem Skalpell, was?“
Er lächelte. „Wenn wir noch ein paar Mal kochen, könnte das eine echte Konkurrenz werden.“
Johanna lachte auf. „Das Gesicht deiner Patienten möchte ich aber nicht sehen, wenn du mit dem Ding im OP erscheinst.“
Er lachte. „Nein, ich eigentlich auch nicht.“ Er wandte sich an Regina. „Wie ist es bei Ihnen? Auch noch ... eine Nudel?“
„Nein, danke“, sagte sie frostig, als würde ihre Laune immer dann in die Minusgrade sinken, wenn Johanna mit ihm Scherze machte. Doch er nickte nur und tat sich selbst noch etwas auf.
Während er weiteraß, spießte Johanna ihre eine Nudel mit der Gabel auf, knabberte daran herum, bis er auch seinen Teller leer gegessen hatte.

© Petra Vennekohl, November 2009

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