Ob die Idee den Dichter überwältigt oder der Dichter die Idee,
davon hängt alles ab.

Friedrich Hebbel

Über diesen NaNoWriMo habe ich kontinuierlich auf meinem Blog berichtet. Ich hatte vor, zügig die 50000 Worte zu erreichen, da am 15. November das Abenteuer Papua Neuguinea losgehen sollte. Am 15. November hatte ich aber "erst" gut 36000 Worte - mehr als gefordert, aber es blieb noch eine Menge zu schreiben!
Wie erwartet sank die Zahl der täglichen Worte drastisch ab, als die Expedition loslegte. Doch am 25. November hatte ich es geschafft! Allerdings kam bis zum Ende des Monats nicht mehr viel dazu: am 30. November waren es dann 53904 Worte.

Zu diesem Abschnitt:
Robert und Johanna sind gerade ein Weile durch den Bürgerpark gelaufen. Zuerst war die Stimmung sehr angespannt, Johannas Wutanfälle machen ihnen beiden das Leben schwer. Während des Gehens hat sich ihre Stimmung etwas gebessert. Es war verabredet, daß sie nach dem Park zu ihm gehen.
Und bitte nachsichtig sein - das ist ein NaNoWriMo-Text, also rausgehauen und kaum bearbeitet.

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19. April 2009

29. April 2009

21. Mai 2009, Donnerstag (Himmelfahrt), Roberts Wohnung

Er mußte sich das Grinsen verkneifen, doch er zwang sich, einen ernsten Gesichtsausdruck aufzusetzen. Oben schloß er die Tür auf, drehte sich dann aber zu Johanna um, ohne die Tür zu öffnen. Er nahm den Rucksack ab und hielt ihn in der Hand.
„Willkommen, Mylady“, sagte er in seinem Passepartout-Tonfall.
Er machte einen sehr tiefen Diener, sah gerade noch, wie Johanna die Augenbrauen zusammenzog. Er machte die Tür auf, ging hinein, ließ den Rucksack hinter die Tür fallen. Er verbeugte sich noch einmal so tief, machte dabei eine ausladende Handbewegung, um sie hinein zu bitten. Sein Rücken schmerzte etwas von dieser ungewohnten Haltung, doch Robert blieb unten, sah zu ihr hoch, lächelte.
Sie kam einen Schritt vorwärts, doch dann stockte sie. Weil sie das Handtuch gesehen hatte? Sie starrte auf den roten Stoff, doch dann zuckte ihren Mundwinkel, und schließlich lachte sie los. Dieses wundervolle, tiefe Lachen, das er so liebte.
Sie kicherte jetzt. „Robert, du bist ...“
Glücklich, wenn du lachst, dachte er und grinste. „Mylady“, sagte er noch einmal, „wenn Sie bitte eintreten möchten.“

Mein Herz hämmerte. So ein verrückter Kerl! Plötzlich fiel mir wieder unsere Witzelei ein, letzten Sonntag vermutlich, als er von der Diva und dem roten Teppich gesprochen hatte. Daß er daran noch gedacht hatte! Er mußte dann ja heute morgen, bevor er gegangen ist, das Handtuch ausgelegt haben. Deswegen hatte er vorhin so geschmunzelt, als wir über die Farbe seines Teppichs gesprochen hatten.
Ich stand noch immer vor der Tür, lächelte, weil ich nicht anders konnte. Wie süß er war! Versuchte alles, um mich etwas aufzuheitern. Er stand noch immer vorne über gebeugt, sah mich von unten herauf an. Er grinste, und die Freude strahlte aus seinen Augen heraus, weil er es geschafft hatte, mich zum Lachen zu bringen.
Ich straffte die Schultern und machte den Spaß mit. Ich versuchte, ein möglichst blasiertes Gesicht aufzusetzen, straffte die Schultern und schritt so anmutig wie ich das mit einem schmerzenden Fuß konnte, über die Schwelle und auf den roten Teppich, den Robert für mich ausgerollt hatte. Tatsächlich merkte ich meinen Fuß jetzt, weil wir doch ganz schön viel gelaufen waren heute. Doch ich humpelte nicht, ging aufrecht an ihm vorbei. „Danke“, sagte ich dann mit nasaler Stimme. „Sie können jetzt die Tür schließen. Und dann einen Kaffee. Aber hurtig.“
In gebückter Haltung machte Robert die Tür zu, verbeugte sich wieder vor mir, jetzt mit einigermaßen ernsthaftem Gesicht, doch seine Mundwinkel zuckten verdächtig. Er ging einen Schritt auf mich zu, dann in die Küche, verbeugte sich wieder. „Sehr wohl, Mylady“, murmelte er, und dann verbeugte er sich noch einmal, als er endlich vor der Kaffeemaschine stand. „Sehr gerne, Mylady.“
Ich wedelte huldvoll mit der Hand. „Hurtig, James. Der Spaziergang war anstrengend, mich dürstet nach einem Kaffee.“
Roberts Contenance fiel in sich zusammen, und er lachte. „Dich dürstet?“
Ich grinste und zuckte die Achseln. „Nach Kaffee dürstet es mich eigentlich immer.“
Er grinste zurück. „Dann setz dich doch, damit ich dir die Auswahl vorlegen kann.“
„Costa Rica“, sagte ich gleich. „Der war sehr lecker.“
Robert lächelte und nickte. Er stellte die Maschine an, und sie begann wieder zu spockern und zischen. Er lächelte noch immer. Weil er geschafft hatte, mich zum Lachen zu bringen? Er kippte Kaffeebohnen in die Maschine, und der Duft war berauschend. Er holte eine sehr bunte Tasse aus dem Schrank, lächelte dabei und stellte sie unter die Maschine. Er drehte sich zu mir um. „Gleiche Mischung wie beim letzten Mal?“
Ich nickte, und Robert füllte eine zweite, ebenso bunte Tasse mit Milch und stellte sie in die Mikrowelle. Der Kaffee duftete herrlich, doch Robert gab mir meine Tasse nicht sondern stellte seine eigene darunter. Erst als der fertig war, nahm er beide Tassen auf. „Gehen wir raus?“
Ich stand auf und ging voraus ins Wohnzimmer. In der Tür blieb ich stehen. Es sah noch unordentlicher aus als beim letzten Mal, doch das Sofa war frei. Das Zimmer war in wunderbares Licht getaucht, diese Fensterfront war einfach unglaublich. Ich ging bis zur Tür, öffnete sie und ließ ihn durch. Dann folgte ich ihm, und mein Schritt stockte schon wieder. Er hatte draußen schon alles vorbereitet, die Auflagen lagen auf den Stühlen, die Tischdecke auf dem Tisch. Und die Rose stand darauf. Ich holte zittrig Atem. Er hatte wirklich alles getan, um mich wieder in seiner Wohnung willkommen zu heißen, hatte alles vorbereitet. Ich merkte in jeder Kleinigkeit, wie sehr es ihn freute, daß ich heute hier war.
Meine Augen kribbelten, und ich schloß sie. Er war so zuvorkommend, und ich maulte ihn dauernd an. Wie konnte ich ihm das jemals zurückgeben, seine Freundlichkeit?
Ich machte die Augen wieder auf. Robert stand auf der Dachterrasse, hinter einem Stuhl, seine Hände an der Lehne, wie um mir den Stuhl zurechtzurücken. Er sah mich an, lächelte, auffordernd und klopfte mit den Fingern auf die Lehne.
Ich lächelte und kam raus zu ihm, doch ich blieb am Stuhl stehen und legte meine Hand auf seine. „Danke, Bobby.“
Er lächelte breiter, hob seine andere Hand und legte sie oben auf meine. Er nahm sie hoch, umfing meine Finger. Er strich mit dem Daumen über meine Haut, dann küßte er meinen Handrücken. Ohne meine Hand loszulassen, ging er um den Stuhl herum und führte mich an der Hand zur Sitzfläche. Ich setzte mich, und er ging zu seinem Stuhl. Doch er rückte etwas näher, ehe er sich setzte, und nahm dann meine Tasse auf, reichte sie mir.
Er hob seine, lächelte. „Prost, Johanna.“
Ich hob meine und stieß vorsichtig gegen seine. „Prost, Robert.“
Er sah in meine Augen, doch dann blickte er schnell auf die beiden Tassen. Ich folgte seinem Blick und erkannte plötzlich, daß beide Tassen zusammengehalten gar kein wildes Muster mehr ergaben sondern einen stilisierten Baum. Ich hielt meine Tasse weiter gegen seine, und auch Robert rührte sich nicht. „Das ist ja schön.“
Robert lächelte, ein wenig verträumt, und nickte dann.

Er hatte gehofft, daß sie es bemerkte. Meine zweite Hälfte, dachte er und lächelte breiter. Er freute sich, daß Johanna gerade locker drauf war, daß sie ihn anlächelte. Daß sie gemerkt hatte, wie sehr er sich darüber freute, daß sie zu ihm kam. Sie lehnte sich zurück, nahm einen Schluck Kaffee und seufzte auf. „Wunderbar.“
Robert lächelte und trank selbst.
Doch Johanna blieb nicht lange entspannt sitzen. Sie stellte die Tasse ab, beugte sich vor und faßte in die Erde der Rose.
„Und?“, fragte Robert.
„Ein bißchen dehydriert, sie braucht Flüssigkeit.“
„Soll ich der Rose einen Zugang legen? Dann könnte ich einen Ringer anhängen.“
Johanna grinste. „Ein Glas Wasser würde es auch tun.“ Sie lehnte sich wieder zurück, schlug die Beine über.
„Wie ist dein Fuß nach dem langen Marsch?“
Sie zuckte die Achseln. „OK.“
Robert lächelte. „Darf ich mir das ansehen?“
„Traust du mir nicht?“
„Doch, vorbehaltlos“, sagte er ohne Nachzudenken. „Aber in medizinischen Dingen habe ich manchmal eine andere Meinung als du.“
Sie lächelte jetzt. „Ich bin mir nicht sicher, wie es um deine medizinische Kenntnis bestellt ist, wenn du deiner Rose einen Zugang legen willst.“
„Das hat wohl eher was mit meinen gärtnerischen Fähigkeiten zu tun. Viggos kann ich, Rosen pflegen weniger.“
„Bisher klappt es doch noch.“
„Sind ja auch noch keine zwei Wochen.“
„Dann kannst du ja auch noch nicht so viel Übung haben.“
Er nickte und lächelte.
„Also, Chirurg, bleib bei deinen Haxen.“ Johanna hob ihren Fuß an und hob ihn auf seinen Schoß.

© Petra Vennekohl, November 2010

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